Im Sektor 2 ist ein Lachanfall detektiert worden!

THEATER-ZYTIG – Rubrik Stückwahl
Aufführungsbesprechung von Hugo Kropf

 

IM SEKTOR 2 IST EIN LACHANFALL DETEKTIERT WORDEN!

 

Diese „Musikalische Zeitreise“ führt in vier Zeitzonen und beginnt nach einem Lichtgewitter im Jahr 2095. Eine Frau in bodenlangem, weissem Mantel steht an einem Kommandopult, hinter ihr jagen sich auf einem Monitor Zahlenreihen und Grafiken. Die Bühne ist schwarz, im Hintergrund ist als Projektion ein Korridor zu sehen, wo grüne Lichter blinken. Ein Mann erscheint. Auch er in langem Mantel, schwarz glänzend. Selina und Robert, ein Ehepaar, sind Emotionsagenten. Sie überwachen Sektoren auf unerwünschte Emotionsregungen: „Wut in Sektor C“ – „Fehlalarm! Gottseidank.“ Wir vernehmen, dass sich die Menschen nicht auf natürliche Weise vermehren, sondern in Labors produziert werden. Dank Genmanipulation konnten grassierende Seuchen besiegt werden. Dabei wurden alle Emotionen ausgeschaltet. Körperkontakt ist verboten, weil gesundheitsgefährdend. Man lebt isoliert, dafür permanent Online (alle Geräte und Apparate blinken in freundlichen Farben). David, Sohn des Paares, forscht mit seinem Neurotablet nach verborgenen oder gelöschten Zeugen der Zeit davor und beginnt Fragen zu stellen.

Die Eltern ermöglichen ihm mit einer Zeitmaschine – einem Prototyp – eine Reise ins Jahr 2015. Er sucht die Essenz des Lebens. Missionsziel ist jedoch, dem Bundesrat Informationen zu übergeben, die in eine lebenswertere Zukunft führen sollen.

Die Maschine arbeitet fehlerhaft. David landet im Jahr 1955 in Los Angeles, wo er auf eine Jugend-Gang trifft. Bunte Petticoats, tolle Frisuren, James-Dean-Jackets, Songs! Die „tollen Fünfziger“ sind wieder da! Great! David verliebt sich in Becky. Er deutet die „Schmetterlinge im Bauch“ als Krankheit und ein Küsschen versetzt ihn in Panik . Das Erwachen der Liebe wird so feinfühlig gespielt, dass die Herzen höher schlagen.

Alle Rollen sind treffend besetzt. Spiel, Sprachgestaltung, Gestik und Präsenz überzeugen. Bonmots, Gedankenblitze, Humor, die spannende Handlung mit der interessanten Thematik, Tanz und Songs (live) fesseln das Publikum bis zum Schluss.

So singt David „Muss noch kurz die Welt retten“ bevor er sich von Becky verabschiedet, um dem Bundesrat die Daten zu bringen. Der Zeitsprung klappt. Beim Bundeshaus verblüffen Break-Dancers mit Akrobatik. David tanzt mit. Jetzt aber zurück zu Becky. Pech: er landet 1969, wird Zeuge der Mondlandung (Projektion). Becky ist verheiratet, lebt in Berlin. Dort findet sie David im Spital, leider erst 1985. Sie ist jetzt fünfzig und schwer krank. Er will unbedingt in seiner Zeit ein Heilmittel holen, die Liebe kenne keinen Altersunterschied. Becky ist glücklich, dass David doch noch zurück gekommen ist, weiterleben will sie nicht. Eine ergreifende Abschiedsszene!

Leider hat der Sekretär von Bundesrat Maurer die „weltrettenden“ Daten statt diesem dem Abfallkübel übergeben. Trotzdem zeigt Davids Zeitreise Wirkung: Es regen sich zärtliche Gefühle zwischen Davids Eltern. Ihre bisher sonore Sprache wird lebendig. Hilflos müssen sie zusehen, wie David ein Helm aufgesetzt wird, der seine Emotionen löschen soll! Auch seine Erkenntnis, dass Liebe die Essenz des Lebens ist? Die Kernbotschaft des Nazareners? Remo La Marra erspart dem Publikum ein solches Ende. Das Brain-Gerät versagt bei David. Die Zeitmaschine jedoch arbeitet präzis. Back to the fifties singt David mit Becky: „Say something“ (A Great Big world & Christina Aguilera). Die Standing Ovations an der Uraufführung hat das grosse Team gemeinsam verdient.

 

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